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  • Wozu eine topologische Wende?
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Autor: (04/2007, Thomas Latka)

Philosophische Paradigmen und Wenden

In der Philosophie gab es immer schon viele Richtungsänderungen und Wenden. Wie auch in der Wissenschaft oder der alltäglichen Welt der Politik oder Kultur gibt es bestimmte Grundströmungen und Moden, die sich bei allen Unterschieden doch auch als Mainstream wahrnehmen lassen. Sind diese Moden langlebiger kann man von Paradigmen sprechen, die durchaus auch mehrere hunderte oder sogar tausende Jahre durchziehen, aufeinander folgen oder sich auch überlappen. Ein Paradigmenwechsel ist daher nicht immer eine so spannende Sache, dass man gleich alles über den Haufen wirft und sich zu neuen Ufern begibt. Häufig steht das neue Paradigma schon bereit und mit der Zeit gibt es einfach immer mehr Forscher und Wissenschaftler, die das neue Paradigma kritisch prüfen und es mit guten Gründen für sich annehmen. Dass sich überzeugte Anhänger eines (alten) Paradigmas mit guten Argumenten bekehren lassen, ist eher unwahrscheinlich.
Neue Paradigmen brauchen Namen, und der Wechsel von einem Paradigma ins nächste ebenso. Die Rede von einer topologischen Wende (engl. topological turn) ist ein solcher Name für den Wechsel zu einem topologischen Paradigma, also einem Paradigma, in dem Begriffe wie Ort (griech. topos), Feld und Raum eine andere und vorallem entscheidendere Bedeutung in dem Theoriegerüst erhalten, als in den Paradigmen zuvor.

Vom "Sein" zur Ko-Kreation

Hinter dem topischen Gedanken, steckt die Überzeugung dass weniger das "Sein" eine grundlegende Rolle in der Betrachtung von Phänomenen eine Rolle spielt, sondern eher das "Darin-Sein", also in dem Verhältnis der Einbeziehung als dem des Gegenüberstehens. Dieses "Darin-Sein" ist weniger eine mengentheoretische Zugehörigkeit im Sinne von "Menge A ist Submenge von Menge B", sondern eine Teilhabe an ein einem gemeinschaftlichen Prozess. Diese Prozess der Ko-Kreation, also der gemeinschaftlichen Erschaffung, ist ein zentraler Prozess des topischen Paradigmas. Ko-Kreationen fanden und finden schon längst überall statt, wurden aber allzuhäufig auf die Leistungen einzelner reduziert. Die topologische Wende soll dafür sorgen, den Blick auf das Feld zu richten, in dem alle Beteiligten eines gemeinschaftlichen Prozesses miteinander verbunden sind. Dieses Feld und der Schöpfungsprozess darin ist es, dem sich diese toplogische Wende verschreibt. Die Diskussionen, was darunter nun genauer zu verstehen ist, sind im vollgen Gange, und versprechen erste Annäherungen auf einer gemeinsame Grundlage. Noch aber ist es zu früh, um eine endgültige Definition dieser topologischen Wende zu geben. Es bleibt daher spannend.

So what?

Wenn man sich fragt, welche konkreten Auswirkungen diese topologische Wende außerhalb der Philosophie hat, dann können schon jetzt einige Ansatzpunkte gezeigt werden. Z.B. ist man in der Medizin schon lange auf der Suche nach Modellen, mit denen man sich die nachgewiesenen Wirkungen alternativer Heilmethoden wie Homöopathie besser erklären kann. Oder in der systemtischen Familientherapie bleibt ungeklärt wie Stellvertreter in einer räumlichen Aufstellung authentische Gefühle der Familienangehörigen wahrnehmen können, ohne mit ihnen je gesprochen zu haben. Es ließen sich weiter Beispiele anführen, wo trotz allem technischen Fortschritt eine plausible Erklärung in einem integrativen Modell immer noch auf sich warten lässt. Hier kann die Wende in ein neues philosophisches Paradigma vielleicht Augen öffnen, mit denen sich sowohl anders beobachten wie auch beschreiben und erklären lässt. Auch hier bleibt es spannend, aus welchen anderen Anwendungsfeldern neue Impulse für die philosophische Forschung kommen werden.

Sinn und Zweck dieser Website

Diese Webseite soll aufklären und zeigen, welche Quellen schon jetzt für den Vollzug der topologischen Wende zur Verfügung stehen, und welche Anregungen man sich daraus holen kann. Insbesondere liegt hier der Schwerpunkt auf japanischer Philosophie, in der die topologische Wende schon wesentlich früher vollzogen wurden, und eine Reihe von japanischem Material bereits zur Verfügung steht, dass bislang vorallem an der Sprachbarriere scheiterte. Diese Sprachbarriere soll mit deutschen Übersetzungen und Kurzusammenfassungen japanischer Quellen versucht werden zu überwinden.

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